„Carnival of Horrors“ oder das Ende der Messe, wie wir sie kannten: Die „Welt der Familie 2014“ in Saarbrücken

Keine Ahnung, was jetzt genau mich zur „Welt der Familie 2014“ in Saarbrücken getrieben hat. Ich habe es auf jeden Fall nicht gefunden. Es war mein erster Besuch und, wenn sich im 53. Jahr nicht dringend was ändert, definitiv mein letzter

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Denn was ich am Donnerstagabend – der als Tag der Highlights mit verlängerter Öffnungszeit angekündigt wurde – vorfand, war so ziemlich das Tristeste, was ich in 13 Jahren in dieser Stadt erlebt habe. Die „Welt der Familie“ kann man sich in etwa so vorstellen, als würde David Lynch einen verkaufsoffenen Sonntag im Industriegebiet West organisieren. Hauptdarsteller: Sämtliche Drückerkolonnen von „Help for animals“ bis zu den „Zeitungsabowerbern). Das Lynchhafte: Die große Leere des Raumes, lange Zeit passiert nichts und plötzlich spielen sich groteske Szenen ab, die eigentlich nur im (Alp-)Traum einen Sinn ergeben.

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Als ich gegen 20 Uhr die Hallen betrat, waren die meisten Stände bereits verwaist. Die, die noch geblieben sind, Herr Gemüsehobel, Frau Staubsauger und Frau Instantsuppe, waren bereits dazu übergegangen, ihre Tristesse mit Wein und Karlsberg zu begießen. Die anderen hatten sich entweder ins Hotel oder in die Eventhalle zurückgezogen. In Letzterer feierten etwa 50 Menschen, darunter vielleicht höchstens 5 Besucher, bei einer völlig überdimensionierten Show des Musicalteams von „Falco meets Mercury“ (sic!sic!) zu „We are the champions!“. So stelle ich mir die letzten Stunden auf der Titanic vor – alles ist egal, wir gehen unter. Obwohl es auf der Titanic vermutlich keine „Leckereien“ aus saarländischer Schlachtung gab. Zum Bier gab es in der Eventhalle nämlich Berge (!) von Riesenprengeln alias Lyoner, Lyoner-Ravioli – und Lyoner Muffins. Als Alternative gab es übrigens eine halbe Tierkühlpizza von Dr. Oetker von 1,50 Euro. WTF?!

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Zum Angebot gibt es nur eins zu sagen: Was hat das mit Familie zu tun?! Die Veranstalter – ja, ich kenne einige von ihnen und fühle daher auch etwas mit – haben sich wohl gedacht: Irgendwie alles. Und deshalb kann man es ja auch viel einfacher vermarkten. Aber wer zur Hölle soll denn bitte von diesem Kuddelmuddel zwischen vor Kitsch triefenden Ölgemälde (Stichwort: Heulende Robben für den Umweltschutz, Preis: 4000 Euro!!), Pelzmäntel, die man vor 30 Jahren in sozialistischen Mangelstaaten getragen hat, französischen Louis XV-Möbeln und High-Tech Klobürsten (sic!) angesprochen werden?!

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Ich schließe mit etwas Positivem: Gefallen haben mit die Flipperautomaten, die perfekt symbolisieren, in welcher Epoche die Messe (vielleicht sogar das Messewesen??) stehen geblieben ist. Und ich fand es nett, dass die Hostessen versucht haben, mir (und sich selbst) die Laune mit Seifenblasen aufzuhellen. Und gut finde ich es auch, dass sich regionale Winzer präsentieren. Dass die aber ausgerechnet in der gleichen Halle mit den Guttemplern, die sich etwa gegen Alkoholmissbrauch in der Schwangerschaft engagieren, zu finden sind, passt zu dieser Veranstaltung wie der Korken in die Flasche. Prost, David Lynch!

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2 Gedanken zu „„Carnival of Horrors“ oder das Ende der Messe, wie wir sie kannten: Die „Welt der Familie 2014“ in Saarbrücken

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